Warum kostet Software Geld? 1 Woche ago

Der morgendliche Coffee-to-go, ein Bier mit dem Kumpel in der Kneipe, eine Pizza in die WG bestellen und am Wochenende den neuen Blockbuster im Kino bestaunen – all das gehört zum Leben eines typischen Studenten. Was diese Dinge sonst noch gemeinsam haben? Sie kosten Geld. Daran besteht selten Zweifel.

Tatsächlich leuchtet den meisten von uns ein, dass der Bäcker um die Ecke seine Brötchen nicht aus Luft und Liebe backen kann. Doch seien wir ehrlich – wenn Netflix seine Preise erhöht, die Lizenz der Antivirensoftware schon wieder erneuert werden will und der Messenger Dienst seine jährlichen Forderungen stellt, ärgern wir uns schon einmal. Warum eigentlich? Digitale Angebote haben kostenlos zu sein – so die Wahrnehmung, wenn wir im Internet Informationsmedien konsultieren, uns mit Musik und Filmen unterhalten, Fotos in der Cloud speichern oder Präsentationen erstellen. Denn während Mehl, Eier, Zucker und der gutmütige Herr mit der Bäckermütze für uns greifbare Ressourcen sind, empfinden wir die digitale Entwicklung als ein Buch mit sieben Siegeln. Wie aus dem Nichts schien das Internet in unser Leben getreten zu sein. Und mit ihm die zahlreichen neuartigen Konsummöglichkeiten, die unser Verständnis von In- und Output grundlegend durcheinander gewürfelt haben. Unendlich erweiterbar, für jeden zugänglich und immer verfügbar – das ist unsere Definition von Digitalisierung. Warum also für ein solch universelles Gut bezahlen?

Softwareentwickler stehen immer wieder vor der Herausforderung, ihren Nutzern den ökonomischen Wert ihrer Arbeit verständlich zu machen. Denn tatsächlich kann die Entwicklung digitaler Produkte kostspieliger sein als so manch einer denken mag. Bis zur erstmaligen Veröffentlichung einer durchschnittlich leistungsfähigen App fallen in Deutschland rund 30.000€ Entwicklungskosten an.

Für komplexere Anwendungen ist die 100.000€-Grenze schnell geknackt.

Ressourcenintensiv sind vor allem die Konzeption und die Programmierung, aber auch das Daten-Tracking, das Grafikdesign, zahlreiche Simulations- und Testschleifen sowie die Bearbeitung von Nutzer-Feedback. Dazu kommen Server/Hosting-Kosten sowie Kosten für die Vermarktung des Produktes. Ist eine Anwendung erst einmal veröffentlicht, wird sie kontinuierlich weiterentwickelt. Insbesondere Browser-Applikationen müssen häufig aktualisiert werden, weil sie immer wieder aufs Neue an Browser-Updates angepasst werden. Der Google Chrome-Browser beispielsweise aktualisiert sich in monatlichen Abständen. Einige Web-Technologien, auf deren Grundlage Browser-Anwendungen entwickelt werden, werden sogar noch häufiger erneuert. Ob erstmalige Veröffentlichung oder Update – Softwareentwickler müssen ihre eigene Manpower, den Einsatz ihrer Entwicklertools sowie ihre externen Ressourcen – genau wie in jedem anderen Geschäftsumfeld auch – finanzieren. Tatsächlich gibt es keine Software, die kostenlos betrieben werden kann. Diejenigen Anwendungen, die für den Nutzer kostenlos sind, werden auf andere Arten und Weisen finanziert. Oft ist die Nutzung einer Software nämlich entgegen der Empfindung nicht umsonst, sondern man bezahlt mit seinen persönlichen Daten. Diese werden beispielsweise zahlenden Werbern als Plattform angeboten (Facbook). Und selbst OpenSource Produkte haben häufig einen kommerziellen Hintergrund, da viele Unternehmen das Potential der OpenSource-Community nutzen und durch die Veröffentlichung Vertrauen schaffen und somit indirekte Imagepflege betreiben.

Im Wesentlichen existieren für Software-Produkte zweierlei Kauf- bzw. Finanzierungsmodelle. Einmalkauf-Lösung sind mit höheren Anschaffungskosten für den Kunden verbunden. Dafür erlangen diese uneingeschränkte und unbefristete Nutzungsrechte, sobald sie die entsprechende Software erworben haben. Das zweite Modell, das sich zunehmend durchsetzt, beinhaltet sogenannte Software as a Service-Anwendungen, kurz SaaS. Im Unterschied zur Kauflizenz besteht dieses Mietmodell aus periodisch wiederkehrenden (beispielsweise monatlichen) Zahlungen seitens des Nutzers. Das bietet den Vorteil von vergleichsweise niedrigen Einstiegskosten. Zudem kann die Zahlung flexibel unterbrochen werden, sollte die Nutzung einer Anwendung nicht weiter benötigt oder zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden. SaaS-Anwendungen sind in der Regel cloudbasiert und extrem serviceorientiert, da sich Nutzer jederzeit gegen den weiteren Erwerb von Nutzungsrechten entscheiden können. Dies hat den Folgeeffekt, dass die Motivation für das anbietende Unternehmen enorm steigt die eigenen Projekte nicht „einschlafen“ zu lassen: Der Kunde zahlt nämlich nur so lange, wie er das Produkt als anziehend und sinnvoll für sich erachtet. Regelmäßige Feature- und Sicherheitsupdates müssen von Entwicklern kontinuierlich bereitgestellt werden und diese müssen eine hohe Bereitschaft mitbringen, auf (kritisches) Feedback schnell einzugehen, um den Wünschen der (zahlenden) Nutzer zu entsprechen. 

Dass die Nutzung einer Software mit einem finanziellen Wert beziffert ist, ist letztlich also mitnichten eine Schikane. Digitale Anwendungen erleichtern uns häufig den (Studien-) Alltag, halten uns auf dem Laufenden oder sorgen für unsere Unterhaltung. Damit ein solches Software-Angebot weiterhin zu Verfügung gestellt und entlang unserer Bedürfnisse und Wünsche weiterentwickelt werden kann, müssen Softwareentwickler ihre Arbeit und ihre Ressourcen finanzieren. Das sollte es uns wert sein – ebenso wie das belegte Brötchen und der lebensrettende Coffee-to-go in der 8-Uhr-Vorlesung.

Header Photo by Alex Knight

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