Effizient für deine Abschlussarbeit transkribieren 3 Wochen ago

Was ist eigentlich eine Transkription?

Transkription ist die schriftliche Übertragung von Gesprächen. Da in der qualitativen Forschung oft Interviews oder Gruppendiskussionen geführt und aufgenommen werden, spielt das Transkribieren im Studium eine wichtige Rolle. Fast jeder Studierende hat Berührungspunkte damit, spätestens für die Bachelor- oder Masterarbeit, denn als Analysegrundlage brauchst du Audioaufnahmen wie bspw. natürlich auch in schriftlicher Form.

Welche Formen der Transkription gibt es?

In der Praxis wird meist zwischen zwei Transkriptionsformen unterschieden: Zwischen der wortgetreuen und der geglätteten Transkription.

Die wortgetreue Transkription

Versuchen dir einmal vorzustellen wie es aussähe, ein Gespräch Wort für Wort auf Papier zu bringen. Für viele sähe das ziemlich merkwürdig aus, denn in normalen Gesprächen wird gestottert, wiederholt und umgangssprachlich gesprochen. Die wortgetreue Transkription zielt genau darauf ab: Es soll die Art und Weise erfasst werden, wie etwas gesagt wird. Die hierbei angewandte Darstellungsweise von Interjektionen, Wiederholungen, abgebrochene Wörter, Dialekten, Umgangssprache etc. hängt von dem Kontext und den Vorgaben ab.

Ein Beispiel für eine wortgetreue Transkription:
Befrager: Wie alt sind Sie?
Befragter: Ähm, ich bin 30 Jahre alt.
Befrager: Alles klar, alles klar. Und, äähm, wo wohnen Sie im Moment?
Befragter: Ich wohne de-derzeit in Sp/ Berlin. (…) Aber ich habe auch mal in Köln gewohnt.

Da Menschen oft nicht grammatikalisch korrekt sprechen und gesprochene Sätze oft lang sind, ist das Lesen von wörtlichen Transkriptionen wesentlich mühsamer. Es kann jedoch besser analysiert werden, ob jemand beispielsweise Zweifel hat oder die Wahrheit sagt. In vielen Fällen ist eine wortgetreue Transkription erforderlich, beispielsweise in der Psychologie oder im juristischen Kontext.

Die geglättete Transkription

Die geglättete Transkription, zielt auf den Inhalt einer Konversation ab. Interjektionen, Wiederholungen, abgebrochene Wörter etc. werden ignoriert. Der Transkribierer schreibt die Konversation so grammatikalisch korrekt wie möglich, um den Text gut lesbar zu machen. Eine geglättete Transkription gibt den Inhalt eines Gesprächs perfekt wieder, nicht aber die Art, wie etwas gesagt wird. Auch hier hängen die Regeln für die Transkription vom Kontext und den Vorgaben ab.

Ein Beispiel für eine geglättete Transkription:
Befrager: Wie alt sind Sie?
Befragter: Ich bin 30 Jahre alt.
Befrager: Und wo wohnen Sie im Moment?
Befragter: Ich wohne derzeit in Berlin. Aber ich habe auch einmal in Köln gewohnt.

Diese Transkriptionsart ist sinnvoll, wenn der Inhalt eines Gesprächs relevanter ist als der Kontext, wie bspw. bei zu veröffentlichenden Interviews.

Welche Möglichkeiten zu transkribieren gibt es?

Auch wenn es die Option gibt die Audio- oder Videoaufnahmen einfach an Transkriptionsbüros zu geben, transkribieren Studierende aus Kostengründen meist selbst. Ein riesiger Vorteil ist neben der Geldersparnis, dass man durch das selbst Transkribieren bereits einen guten Einstieg in die Forschung bekommt. Es ist ein hilfreicher Arbeitsschritt, um mit dem Inhalt des Gesagten vertraut zu werden. Jedes Mal, wenn du dir die Audioaufnahmen anhörst, führst du bereits unterbewusst einen großen Teil deiner Analyse aus. Du verstehst, was die Sprecher genau meinen, kennst die Gesprächsinhalte besser und sparst dadurch wertvolle Zeit bei der Analyse selbst. Schriftliches Übertragen von Gesprächen heißt allerdings auch: Stundenlang den Monitor anstarren.

Auf diese Weise kann es gerne einmal sechs Stunden oder länger dauert, um eine Audiostunde abzutippen. Das Transkript umfass dann 20 bis 35 DIN A4-Seiten. Hast du zehn Menschen jeweils eine Stunde lang interviewt, dauert das Abtippen allein also bis zu 60 Stunden.

Transkriptionshardware

Professionelle Transkribierer arbeiten meist mit Transkriptionshardware in Form von guten Kopfhörern und Fußpedalen. Mithilfe von Fußpedalen können Audiodateien leichter abgespielt und gestoppt werden, während man mit den Händen weiter tippen kann. Das hilft leichter in einen Arbeitsfluss zu kommen. Wenn du regelmäßig transkribieren musst, lohnt sich die Investition auf jeden Fall! Zudem ist es empfehlenswert immer mit Kopfhörern zu transkribieren, um auch undeutlich gesprochene Wörter gut zu verstehen.

Transkriptionssoftware

Darüber hinaus gibt es Transkriptionssoftwares, die man in zwei verschiedene Kategorien einteilen kann: Softwares ohne und Softwares mit automatischer Spracherkennung.

Softwares ohne automatische Spracherkennung können verwendet werden, um die Audiodateien in einem praktischen Editor durch Kürzel schneller oder langsamer abzuspielen, oder die letzten Sekunden zu wiederholen. Meist können so auch Zeitcodes oder Sprecher eingefügt werden. Unterschätze nicht, wie oft eine Aufnahme für die Transkription abgespielt und pausiert werden muss. Kürzel können viel Zeit sparen, das Tippen selbst bleibt dir allerdings nicht erspart.

Mittlerweile ist die Technologie da allerdings noch weiter: Es gibt Transkriptionssoftwares, die sich automatische Spracherkennung zu Nutze machen und so automatisch Transkripte erstellen. In diesen wird automatisch zwischen verschiedenen Sprechern differenziert und es werden Zeitstempel eingefügt. Du musst also nicht mehr alles abtippen, sondern nur noch den Text nachkorrigieren, den die Software innerhalb weniger Minuten erstellt. Meist gibt es auch in diesen Softwares Online-Editoren mit Geschwindigkeitsregulierung und Rückspulfunktion, in denen der automatisch erstellte Text dann mit dem Audio verknüpft ist. Die Arbeitszeit reduziert sich durch all dies auf 1-2 Stunden pro Stunde an Audio.

Tipps für die Transkription

Hier noch einige Tipps, die dir das Leben bei der Transkription leichter machen.

1. Audioqualität

Benutze wenn möglich ein gutes Aufnahmegerät während deiner Interviews. Egal ob du selbst transkribierst, Hilfssoftwares benutzt, oder deine Transkription in Auftrag gibst: Eine gute Audioqualität ist bei all dem von Vorteil. Transkribierst du selbst, verstehst du so auch unverständlich Gesprochenes und die Fehlerquote von Softwares mit automatischer Spracherkennung ist viel geringer. Das beste Aufnahmeergebnis entsteht für viele Aufnahmegeräte übrigens, wenn sie nicht auf einem Tisch abgelegt werden (vor allem bei Smartphones!) und bei einem Abstand von etwa zehn Zentimetern zum Sprecher. Vermeide überfüllte Orte wie die Mensa oder Cafés.

2. Durcheinanderreden vermeiden

Das mag selbstverständlich klingen, Unterhaltungen und Unterbrechungen sind in einer Interviewsituation aber schwieriger zu bemerken und zu vermeiden, als man denkt. Achte besonders darauf, dass sich niemand unterbricht, und du wirst es dir im Nachhinein danken.

3. Eindeutige Dateinamen

Das klingt noch selbstverständlicher, Softwares und Aufnahmegeräte vergeben allerdings oft uneindeutige Dateinamen wie „Spur 1“.  Um den Überblick zu behalten, vergebe eindeutig erkennbare Dateinamen. Besonders ärgerlich ist es nämlich, wenn du ausversehen die falsche Audio-/ Videodatei bei einem Transkriptionsbüro einreichst oder in einer Transkriptionssoftware hochlädst. Das passiert öfter als du denkst!

4. Zeitplanung

Beginne mit der Transkription so schnell wie möglich nach dem Interview und natürlich lange genug vor der Deadline. Die Inhalte sind dann noch frisch in deinem Gedächtnis und Wörter und Zusammenhänge leichter verständlich. Transkribieren ist leider ein Arbeitsschritt, der nicht eben schnell auf den letzten Drücker erledigt werden kann.

5. Pausen

Transkribiere nie zu lange am Stück. Du baust dann nämlich garantiert Fehler ein und arbeitest unterbewusst unordentlicher. Nach spätestens zwei bis drei Stunden beginnen die meisten Fehler zu machen, da es schwierig ist bei einer solchen recht eintönigen Arbeit lange konzentriert zu bleiben.

 

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