Wer hat an der Uhr gedreht? 4 Wochen ago

Zeitfresser eliminieren

„Und? Was hast du heute so gemacht?“ Der Klassiker unter den Einstiegsfragen im wöchentlichen Telefonat mit Mama. Unverfänglich, sollte man meinen. Eine Mutter, die sich für den Alltag ihres Kindes interessiert. Blöd nur, dass mich genau diese Frage nicht selten so richtig auf die Palme bringt. Ja, was HABE ich gemacht? Schon wieder ist der Tag rum. Ich habe stundenlang am Schreibtisch verbracht und doch ist die Hausarbeit auf dem Stand von vorgestern. Je länger ich nach erwähnenswerten Tätigkeiten suche, desto mehr Wut macht sich breit. Das Eingestehen der eigenen Unproduktivität kann schmerzvoll sein.

Ob Bachelorand, Masterand oder Doktorand – fast alle jungen Akademiker werden regelmäßig von Zeitfressern heimgesucht. Und damit ist in keinster Weise die Zeit gemeint, die man abseits der Uni mit Familie, Freunden, dem Ehrenamt oder Hobby verbringt. Es geht um tägliche Zeitfallen, die uns mit dem unguten Gefühl zurücklassen, den Tag verschwendet zu haben.

Die vier gängigsten Zeitfresser

1. Das Smart Phone

E-Mails, Facebook, WhatsApp oder Instagram – rund 80 Mal am Tag schauen Studenten durchschnittlich auf ihr Handy. Klar, dass das „Nur-mal-schnell-die-Nachrichten-checken“ in der Summe ziemlich viel Zeit kostet. Schlimmer noch als die Zeit, die man tatsächlich mit Chatten oder Scrollen beschäftigt ist, sind die sieben Minuten, die uns eine Unterbrechung unserer Aufgabe durchschnittlich kosten, weil wir uns nach der Pause wieder neu in diese hineindenken müssen. In Produktivphasen also lieber einmal das Handy ausschalten. Alternativ gibt es zahlreiche Apps für Mobilgeräte, mithilfe derer sich ausgewählte Anwendungen vorübergehend blockieren lassen, um konzentriert zu bleiben (z. B. AppBlock und Productivity Owl).

 

2. Multitasking

Hand aufs Herz. Niemand arbeitet effizient, wenn er auf fünf Veranstaltungen gleichzeitig tanzt. Tatsächlich belegen Studien sogar, dass rund 40% der Leistung verloren geht, wenn das Gehirn ständig zwischen mehreren Aufgaben hin- und herspringen muss. Deshalb: Auch wenn die To-Do-Liste lang ist und alles sofort erledigt werden müsste, ist die beste Strategie noch immer, eins nach dem anderen anzupacken. Gerade umfangreiche wissenschaftliche Arbeiten lassen sich nicht bewältigen, wenn man nur halbherzig bei der Sache ist. Die E-Mail an den Doktorvater z. B. kann warten, bis man den eigenen Gedankengang in Worte gefasst oder das Paper zu Ende gelesen hat.

 

3. Zu viel Zeit

„Einen Tag hätte ich noch gebraucht“ ist wohl einer der häufigsten Sätze, den Eltern und Freunde traditionell am Tag vor der Abgabe der Bachelor- oder Masterarbeit hören. Der berühmte letzte Tag, durch den alles nur halb so stressig geworden wäre. Doch seien wir ehrlich: Wer viel Zeit hat, braucht diese auch. Die Aufgabe ließe sich aber genauso gut in weniger Zeit erledigen. Um sich nicht in Kleinigkeiten zu verzetteln, sollte man sich selbst ein Zeitfenster setzen, in dem die Aufgabe auf jeden Fall erledigt sein muss – auch wenn die offizielle Deadline noch in weiter Ferne scheint.

 

4. Der Optimierungszwang

Vor allem Perfektionisten verspüren häufig das Gefühl, dass sie mit ihrer Arbeit nicht vorankommen, obwohl sie doch so viel Energie darauf verwenden. Der marginale Nutzen der zehnten Korrekturschleife ist jedoch so minimal, dass sich die dafür verwendete Zeit kaum auszahlt. Das altbekannte Pareto-Prinzip bringt es auf den Punkt. In 20% der Zeit lässt sich meist 80% des Ergebnisses produzieren. Umgekehrt verwenden wir 80% unserer Zeit auf nur 20% des Outputs.

Über diese vier Zeitfresser hinaus gibt es natürlich noch viele weitere, die uns im Alltag von den wirklich wichtigen Dingen abhalten. Für all diejenigen, die unzufrieden mit ihrem Zeitmanagement sind, aber nicht so recht wissen, wo sie anfangen sollen, bieten TimeTracking-Apps wie Toggl die Möglichkeit, Zeitfresser im eigenen Tagesablauf aufzustöbern.

Header Photo by Lukas Blazek

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