Soll ich promovieren? 2 Monaten ago

Am Ende des Masterstudiums stellt sich für viele Studenten die Frage, ob der eigene Werdegang an der Uni weitergehen soll oder nicht. Die Gründe für ein Promotionsvorhaben sind vielfältig. Ob die Promotion im individuellen Fall sinnvoll ist, hängt maßgeblich von diesen drei Faktoren ab.

Das Karriereziel

Nicht in jeder Fachrichtung ist die Promotion gleichermaßen notwendig oder erfolgsversprechend. In den Naturwissenschaften wird sie häufig als selbstverständlich angesehen und auch in den Geisteswissenschaften ist das Promovieren sehr beliebt. Abhängig von der Branche und dem Tätigkeitsfeld promovieren auch Wirtschaftswissenschaftler jedes Jahr zu Tausenden. Allgemein gilt, dass die Promotion für diejenigen unerlässlich ist, die in der Forschung bleiben wollen und eine Habilitation und anschließender Professur anstreben. Doch auch in der Wirtschaftspraxis werden viele Führungspositionen von Personen mit Doktortiteln bekleidet.

Oft wird die Promotion mit besseren Karriereaussichten und höheren Gehältern in Verbindung gebracht. Doch dies ist nicht in allen Bereichen gleichermaßen der Fall. In bestimmten Tätigkeitsfeldern werden Promovierte als überqualifiziert eingestuft und folglich seltener eingestellt. Und auch an der Uni ist das Stellenangebot häufig knapp. Vor Beginn des Promotionsvorhabens sollte man daher auch die Gegenrechnung anzustellen. Denn eine Promotion in Deutschland dauert durchschnittlich drei bis fünf Jahre und nimmt damit nicht nur zeitliche, sondern auch finanzielle Ressourcen in Anspruch. Um zu evaluieren, ob die Promotion für den eigenen Werdegang zweckdienlich ist, sollte man sich im Vorfeld möglichst genau über die Chancen einer Promotion im eigenen Berufsfeld informieren.

Die Finanzierung

In Deutschland haben sich mehrere Modelle zur Finanzierung einer Promotion durchgesetzt. Häufig ist diese Entscheidung auch an die Themenfindung geknüpft, da verschiedene Finanzierungsoptionen Doktoranden unterschiedlich viel Freiheit bei der Themenwahl überlassen. Die bekannteste Art der Promotion führt über eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl der Forschungseinrichtung selbst. Während man an der eigenen Dissertation arbeitet, erhält man Lehraufträge oder arbeitet mit Kollegen an größeren Forschungsprojekten zusammen. Die Themenwahl wird dabei häufig vom aktuellen Forschungsschwerpunkt des Lehrstuhls bestimmt. Eine Alternative dazu ist, sich um ein Promotionsstipendium zu bewerben. Je nach Stipendiengeber müssen dafür unterschiedliche Voraussetzungen erfüllt werden. Alle großen Begabtenförderungswerke vergeben Promotionsstipendien, aber auch viele kleinere Stiftungen, Institute oder Vereine unterstützen Doktoranden finanziell. Ein Stipendium ist in den meisten Fällen an Verpflichtungen wie beispielsweise den fachübergreifenden Austausch mit anderen Stipendiaten und Forschenden geknüpft. In einigen Fällen können auch Promotionsstipendien themengebunden sein.

Gänzlich frei bei der Themenwahl ist man als externer Promovierender. Auch die Finanzierung des Lebensunterhaltes liegt dann jedoch in der eigenen Verantwortung. Dieser Weg zur Promotion setzt daher ein funktionierendes Zeitmanagement voraus. Nicht selten führt die Kombination der Dissertation mit einer nichtforschungsbezogenen Nebentätigkeit zu einer Erhöhung der sowieso schon nicht unerheblichen Arbeitsbelastung. Bisher eine Seltenheit und in erster Linie in den technischen Fächern zu finden sind Promotionsprogramme, die von Unternehmen begleitet werden. Ähnlich wie bei einer praxisbezogenen Masterarbeit bearbeitet man parallel zur Anstellung in einem Unternehmen eine geschäftsbezogene Fragestellung. Im Anschluss bestehen häufig attraktive Karrierechancen beim Arbeitgeber.

Die persönlichen Voraussetzungen

Eines sollte von Anfang an klar sein: Die Dissertation ist keine erweiterte Masterarbeit. Wer bereits während des Studiums wenig Freude am wissenschaftlichen Arbeiten hatte, sollte seine Eignung für das Promotionsprojekt kritisch hinterfragen. Nicht zwangsläufig, weil man nicht die nötigen Fähigkeiten besitzt, sondern weil der Weg ohne Interesse am Forschungsprozess sehr steinig sein kann. Der Titel, vielversprechende Gehaltsaussichten oder die Erwartungshaltung anderer können gute Gründe sein, sich über eine Promotion Gedanken zu machen. Sie sollten jedoch nicht im Vordergrund der Entscheidung stehen. Forschen bedeutet, auch in Zeiten, in denen die erwünschten Ergebnisse ausbleiben, Durchhaltevermögen zu beweisen und sich immer wieder selbst zu motivieren. Das kann nur demjenigen gelingen, der den Antrieb aus dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn selbst zieht und in der Lage ist, sich über Jahre hinweg mit wissenschaftlichen Inhalten zu ein und demselben Thema auseinanderzusetzen. Ein hohes Maß an Selbstorganisation und Frustrationstoleranz sind daher unerlässliche persönliche Voraussetzungen für den Erfolg einer Promotion. Hat man es erst einmal geschafft, zeugt das von Ehrgeiz, Belastbarkeit, Selbstständigkeit und Disziplin – Fähigkeiten, die sowohl in der Forschung als auch in der Praxis gefragt sind. Die Frage, ob man diejenige Energie, die eine Promotion erfordert, aufbringen kann und möchte, sollte man sich jedoch ehrlich beantworten. Die Entscheidung dafür oder dagegen sollte letztlich vor allem von dieser Selbsteinschätzung abhängen.

Header Photo by Nicolas Barbier Garreau

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